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Woche 3 — Rahmen: Was zeigst du, was verbirgst du?

Neue Heimat, Neue Geschichten ist ein Fotoworkshop-Projekt mit jungen Menschen zwischen 18 und 22 Jahren, die in Berlin leben. Die Teilnehmenden nutzen Fotografie nicht als technisches Werkzeug, sondern als Sprache — um ihre eigenen Geschichten zu entdecken, sichtbar zu machen und zu rahmen. Das Projekt endet nach einem dreimonatigen Workshop-Prozess mit einer Ausstellung.


Dieser Kreativkurs:


Wann: Jeden Dienstag

Wo: Zweiter Bildungsweg Neukölln / Tannenhof-Schule

Zeit: 11:45 bis 13:15 Uhr.

ATMOSPHÄRE UND EINSTIEG

In der dritten Woche hatte die Gruppe einen Rhythmus gefunden. Sie wussten, wie die anderen fotografierten. Diese Woche sollte diesen Rhythmus ein wenig erschüttern: Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihr Handy an die Person neben ihnen weiterzugeben. Sie sollten gegenseitig füreinander fotografieren.


Nach fünf Minuten schaute jeder auf das Foto, das jemand anderes mit seinem Handy aufgenommen hatte. Der Raum lachte, staunte. 'Du hast das von mir gesehen?' wurde immer wieder gefragt. In dieser Frage steckte die gesamte Idee der Stunde. Dann wurde die Verbindung hergestellt:

"Ein Rahmen ist eine Entscheidung. Was du weglässt, ist genauso wichtig wie das, was du zeigst."

 

ÜBUNGEN

In der ersten Übung wurde ein Objekt im Raum ausgewählt und auf zwei Arten fotografiert: einmal vollständig, einmal nur ein Teil davon. Als die Fotos nebeneinanderlagen, lautete die Frage: 'Welches ist interessanter?' Die Antwort war fast immer dieselbe: das mit dem Ausschnitt. Denn wenn man alles sieht, hält die Vorstellungskraft an; wenn man nur einen Teil sieht, springt sie an.


In der zweiten Übung kamen die Hausaufgaben auf den Tisch. Für diejenigen, die sie nicht gemacht hatten, gab es eine Alternative: Schau dir dein letztes Foto an — hast du dort bewusst etwas ausgelassen? Meistens ja — ohne es zu merken.


Die stärkste Übung der Sitzung war das 'Porträt ohne Gesicht': Fotografiere jemanden, aber zeige das Gesicht nicht. Die Teilnehmenden verteilten sich auf den Flur, die Treppe, vor die Fenster. Als sie zurückkamen, war die Frage keine technische:

"Wer ist diese Person? Wie habt ihr es ohne Gesicht erkannt?"

Hände, Haltung, Licht, Kontext — ohne Gesicht war der Mensch noch da. Der Rahmen hatte ihn nicht gelöscht, nur anders gezeigt.

 

REAKTIONEN DER TEILNEHMENDEN

Der Einstieg mit 'dem Blick des anderen' wirkte unerwartet stark. Das eigene Foto durch die Augen jemand anderes zu sehen — das war etwas, worüber die meisten Teilnehmenden noch nie nachgedacht hatten. 'Das hätte ich so nie gesehen' gab den Ton der Sitzung vor.


Bei der Übung 'Porträt ohne Gesicht' vertiefte sich die Diskussion. Einige Teilnehmende sagten, das Verbergen des Gesichts mache die Person 'stärker'. Jemand sagte: 'Wenn ich das Gesicht nicht sehe, denke ich mehr nach.' Dieser Satz traf genau den Kern des Rahmen-Konzepts.

 

VERBINDUNG ZUM PROJEKT

Der Rahmen ist das Konzept, das die Achse 'das Sichtbare und das Verborgene' dieses Projekts am direktesten speist. In dieser Woche setzten sich die Teilnehmenden nicht nur mit einer Fototechnik auseinander, sondern mit der Frage der Repräsentation: Wie zeigst du einen Menschen? Was stellst du in den Vordergrund, was drängst du in den Hintergrund?


Diese Fragen sind für sie nicht abstrakt. Als Menschen, die aus einer anderen Kultur kommen und in Berlin leben, erleben sie täglich, wie sie repräsentiert werden und wie sie gesehen werden. Die Wahl des Rahmens in der Fotografie ist dasselbe wie die Frage, in welchem Rahmen man im eigenen Leben sichtbar sein möchte.


In drei Wochen haben die Teilnehmenden den Blick, die Auswahl und den Rahmen erkundet. Jedes Konzept nährt das nächste: Du wählst, was du siehst — du rahmst, was du auswählst — was du rahmst, wird zu einer Geschichte. Diese Geschichte wird am Ende des Projekts durch eine Ausstellung sichtbar gemacht.

Kursleiter: Burak Babayiğit (Fotokünstler & Regisseur)

Gefördert von: Marjan Miklus-Stiftung

In Kooperation mit: Cambio Film Works

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