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Tag 6 - Du führst, ich folge

Über das Projekt

Diese Beitragsreihe dokumentiert das Projekt „Licht im Rhythmus – Tanztherapie-Workshop für sehbehinderte Menschen", dessen Trägerin Tanz der Kulturen Berlin e.V. ist. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Marjan-Miklus-Stiftung sowie in Zusammenarbeit mit dem Verein Herkes için Turizm (Tourismus für alle) und der Stadtverwaltung İzmir realisiert. Die Tanztherapie-Einheiten wurden von Tanztherapist Mehmet Ballıkaya geleitet. Künstlerische Projektleitung und Dokumentation: Burak Babayiğit.


Der sechste Tag widmete sich der sozialen Dimension des Workshops am direktesten: Führungs-Folge-Übungen und Gruppengestaltung. Vertrauen war jetzt keine individuelle Errungenschaft mehr — es war eine kollektive Praxis.


Mehmet Ballıkaya eröffnete die Einheit mit Paararbeit. Die Teilnehmenden bildeten Paare — aber nicht Mehmet wählte, sondern die Teilnehmenden selbst. „Findet jemanden, dessen Stimme oder Berührung ihr kennt", sagte er. Dieser Auswahlprozess war wie ein handfester Test der Vertrautheit, die sich in den vorangegangenen fünf Tagen angesammelt hatte.


Nachdem die Paare gebildet waren, war die Regel einfach: Die führende Person streckt die Hand langsam vor, die folgende Person berührt sie sanft und folgt der Richtung der Bewegung. Kein Blickkontakt, keine Worte — nur die Sprache der Berührung. Anfangs waren die Bewegungen klein und vorsichtig. Hände schwangen leicht, ein paar Schritte vorwärts, dann Halt.


Mit der Zeit weiteten sich die Bewegungen aus. Ein Paar begann, eine Kreisbahn zu gehen. Ein anderes Paar hielt inne — eine Person beugte sich, die andere folgte. In einem Paar drehte sich die Führende plötzlich — die Folgende drehte sich verzögert, aber sicher nach. Jedes Paar hatte seine eigene Sprache entwickelt.

Dann wurden die Rollen getauscht. Die Führende wurde zur Folgenden. Dieser Rollenwechsel ließ manche Teilnehmende zunächst innehalten. Führen ist vertraut; aber folgen erfordert Loslassen. Eine Teilnehmerin sagte: „Folgen ist schwerer." Mehmet nickte: „Ja. Weil Vertrauen Mut braucht."


In der zweiten Hälfte der Einheit wurde Gruppengestaltung geübt. Mehmet Ballıkaya lehrte eine einfache, aber strukturierte Bewegungsabfolge: drei Schritte vorwärts, anhalten, beim Drehen die Hand ausstrecken, jemanden berühren, gemeinsam einen Schritt. Diese Abfolge wurde viele Male wiederholt — und wurde mit jeder Wiederholung fließender, verbundener.


Bei der letzten Wiederholung waren zwölf Menschen synchron. Nicht perfekt — aber das musste es auch nicht sein. In der Tanztherapie zielt Choreografie nicht auf eine Aufführung ab; sie festigt soziale Koordination, das Zusammensein, das Spüren voneinander.


Mehmet schloss die Einheit so: „Ihr habt heute einander getragen. Habt ihr es bemerkt?" Eine Stille entstand. Dann lachte jemand. Dann alle.


Morgen: Der letzte Tag. Abschlussaufführung und Abschiedsritual.

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