Tag 3 - Rhythmus ist ein Weg
- Tanz der Kulturen Berlin e.V.

- vor 9 Stunden
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Über das Projekt
Diese Beitragsreihe dokumentiert das Projekt „Licht im Rhythmus – Tanztherapie-Workshop für sehbehinderte Menschen", dessen Trägerin Tanz der Kulturen Berlin e.V. ist. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Marjan-Miklus-Stiftung sowie in Zusammenarbeit mit dem Verein Herkes için Turizm (Tourismus für alle) und der Stadtverwaltung İzmir realisiert. Die Tanztherapie-Einheiten wurden von Tanztherapist Mehmet Ballıkaya geleitet. Künstlerische Projektleitung und Dokumentation: Burak Babayiğit.

Am Morgen des dritten Tages füllte sich das Studio mit einem Trommelklang. Mehmet Ballıkaya hatte bereits zu spielen begonnen, als die Teilnehmenden noch hereinkamen — als Einladung, als Signal. Niemand sagte ein Wort; alle drehten sich in die Richtung des Klangs. Noch bevor gesprochen wurde, hatte der Rhythmus bereits ein Richtungsgefühl erzeugt.
In der Tanztherapie ist Rhythmus eines der wirksamsten Mittel, um bei sehbehinderten Menschen visuelle Hinweise zu ersetzen. Kein Licht, keine Farbe, keine Geste sichtbar — aber wenn ein Schlag da ist, ein Rhythmus — tritt der Körper mit ihm in Beziehung. Er bewegt sich, hält inne, ändert die Richtung.
In der ersten Hälfte der Einheit übten die Teilnehmenden rhythmische Schrittfolgen zur Begleitung eines Metronoms. Zunächst sitzend, mit Fußstößen auf den Boden. Mehmet Ballıkaya führte das Tempo von langsam zu schnell, von regelmäßig zu unregelmäßig — und beobachtete, wie die Teilnehmenden sich anpassten. Kein blinder Gehorsam gegenüber dem Rhythmus, sondern Dialog mit dem Rhythmus. Manchmal verlor eine Teilnehmerin den Takt; Mehmet verlangsamte dann und begann gemeinsam mit ihr neu. Ein Rhythmus, der niemanden zurücklässt.
In der zweiten Hälfte wurden Klangnachfolge-Spiele gespielt. Die Regel lautete: Bei einem bestimmten Perkussionsklang gehen die Teilnehmenden nach rechts, bei einem anderen nach links, beim dritten bleiben sie stehen. Anfangs erforderte das hohe Konzentration — Klänge können sich ähneln, zwei Schläge können gleich klingen. Doch nach einigen Wiederholungen hatten die meisten Teilnehmenden den Reflex, Klang in Bewegung umzuwandeln, verinnerlicht.
Am Ende dieses Spiels hatte sich im Studio ein Bewegungsverkehr entwickelt — manche nach rechts, manche nach links, manche stehend. Es gab einen Moment, in dem es nicht wie Chaos aussah, sondern wie eine Stadt: jeder auf seinem Weg, aber alle in derselben Sprache.
Eine Teilnehmerin hielt inne und sagte: „Jetzt weiß ich, wo ich bin." Dieser Satz beschrieb, was Rhythmus ist: nicht nur Musik, sondern ein Werkzeug für räumliche Wahrnehmung.
Morgen: Der Körper wird zur Natur. Wind, Wasser, Wald.




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