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Tag 1 - Der erste Schritt: Ankommen und Vertrauen

Über das Projekt


Diese Beitragsreihe dokumentiert das Projekt „Licht im Rhythmus – Tanztherapie-Workshop für sehbehinderte Menschen", dessen Trägerin Tanz der Kulturen Berlin e.V. ist. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Marjan-Miklus-Stiftung sowie in Zusammenarbeit mit dem Verein Herkes için Turizm (Tourismus für alle) und der Stadtverwaltung İzmir realisiert. Die Tanztherapie-Einheiten wurden von Tanztherapist Mehmet Ballıkaya geleitet. Künstlerische Projektleitung und Dokumentation: Burak Babayiğit.

Als wir am Morgen das Studio betraten, warteten bereits zwölf Teilnehmende in der Mitte des Raumes. Manche saßen, manche standen. Alle schwiegen. Es war keine gewöhnliche soziale Zurückhaltung, es war das Schweigen von Menschen, die sich in einem unbekannten Raum befinden, umgeben von unbekannten Klängen, einer unbekannten Luft. Für sehbehinderte Menschen ist ein neuer Ort nicht nur geographisch unbekannt, sondern sensorisch eine Terra incognita.

Tanztherapist Mehmet Ballıkaya begann sitzend. Nicht laut, sondern mit ruhiger Stimme. „Heute lernen wir einander kennen", sagte er. „Sagt euren Namen — aber nicht nur mit dem Mund. Sagt ihn auch mit eurem Körper." Dieser erste Satz fasste den Geist des Workshops zusammen: Das Wort allein reicht nicht — auch der Körper hat eine Stimme.

Die erste Übung war die Raumkundschaft. Die Teilnehmenden gingen einzeln oder paarweise durch das Studio — sie ertasteten die Wände mit den Händen, spürten den Boden unter den Füßen, lernten Ecken, Pfeiler und Türrahmen kennen. Diese einfach wirkende Übung erfüllte ein grundlegendes Sicherheitsbedürfnis: „Dieser Raum gehört mir, ich weiß, wo ich bin." Um tanzen zu können, muss man zunächst den Boden unter sich spüren.


Bei den taktilen Kennenlern-Spielen veränderte sich die Atmosphäre. Die Teilnehmenden bildeten Paare; eine Person nahm die Hand der anderen und schuf allein durch diese Berührung ein „Hallo". Keine Worte nötig. Ein Händedruck, eine mit dem Finger gezeichnete Form, eine rhythmische Berührung. Ein Teilnehmer lachte auf — kein nervöses, sondern ein erleichtertes Lachen. In diesem Moment wurde das Studio ein wenig weicher.


Am Ende der Einheit öffnete Mehmet Ballıkaya einen Feedback-Kreis. Die Teilnehmenden teilten mündlich: „Ich dachte, der Raum wäre groß — er ist eigentlich klein." „Ich kannte deine Stimme nicht, jetzt kenne ich sie." „Ich wusste nicht, dass meine Hände so viel fühlen können."


Der erste Tag lehrte uns: Vertrauen ist kein abstrakter Begriff. Es ist ein Schritt, eine Berührung, ein Klang. In der Tanztherapie kann nichts beginnen, bevor Vertrauen aufgebaut ist — und am Ende des ersten Tages war dieses Fundament bereits vorhanden.


Morgen: Was weiß der Körper? Atem, Gewicht und die Erkundung stiller Bewegung.

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